Wo leben die Reichen in Frankfurt am Main?

Frankfurt ist die Stadt mit den meisten Millionären Deutschlands. Rund 80.300 Menschen mit Vermögen über einer Million Euro leben hier, mehr als in München, mehr als in Hamburg, mehr als in Berlin. Diese Konzentration von Wohlstand verteilt sich auf wenige Adressen, und wer die Stadt kennt, weiß genau, auf welche.

Der Grund ist klar: Als wichtigster Finanzplatz Europas zieht Frankfurt das globale Führungspersonal der Bankenwelt, der EZB, der Unternehmensberatungen und der Investmentgesellschaften an. Diese Gruppe hat klare Präferenzen. Wer Geld hat, wohnt im Westend, in Sachsenhausen-Nord oder in den Villenlagen des Nordends. Alles andere ist Kompromiss.

Wo leben die Reichen in Frankfurt am Main?

Das Westend steht an der Spitze, unangefochten und seit Jahrzehnten ohne ernsthafte Konkurrenz im eigenen Stadtgebiet. Dahinter folgen das Nordend mit dem Holzhausenviertel als eigentlicher Geheimtipp des Establishments und Sachsenhausen-Nord mit dem Deutschherrnufer als modernster Luxusadresse der Stadt.

Wer noch weiter raus will, zieht in den Taunus, nach Königstein oder Kronberg. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Westend: Frankfurts erste Adresse seit über einem Jahrhundert

Das Westend ist nicht nur das teuerste Viertel Frankfurts, es ist eine der teuersten Wohnlagen Deutschlands überhaupt. Stattliche Gründerzeitvillen, baumgesäumte Alleen, Deckenhöhen von 3,20 bis 4,50 Metern und eine Infrastruktur, die jeden Bedarf abdeckt, ohne je aufdringlich zu wirken.

Westend-Süd liegt laut ImmoScout24 im Jahr 2026 bei einem Durchschnittspreis von 9.389 Euro pro Quadratmeter, Spitzenobjekte in der Siesmayerstraße, der Beethovenstraße und am Reuterweg erzielen bis zu 11.500 Euro.

Freistehende Gründerzeithäuser wechseln für fünf bis 15 Millionen Euro den Besitzer.

Wer wohnt hier? Das Westend ist die Heimat von Investmentbankern und Finanzmanagern der internationalen Großbanken, von Partnern der großen Wirtschaftskanzleien wie Freshfields, Linklaters und Clifford Chance, von EZB-Führungskräften sowie Vorständen der Pharma- und Chemiekonzerne der Rhein-Main-Region. Auch Profifußballer von Eintracht Frankfurt schätzen die Kombination aus Prestige, Sicherheit und Nähe zum Waldstadion.

Was das Westend dauerhaft teuer hält, ist die Knappheit. Die Gründerzeitsubstanz lässt sich nicht reproduzieren, die Deckenhöhen nicht nachbauen, die Baumdichte nicht beschleunigen. Wer 2015 hier kaufte und damals 6.295 Euro pro Quadratmeter zahlte, schaut heute auf einen Wertzuwachs von über 40 Prozent. Trotz Zinswende.

Holzhausenviertel: Der diskreteste Adressraum der Stadt

Das Holzhausenviertel liegt im Nordend-West, direkt an der Grenze zum Westend, und ist unter Insidern die am häufigsten genannte Wunschadresse Frankfurts.

Großzügige Altbauten aus der Gründerzeit, Einfamilienhäuser mit eigenem Garten, wenig Durchgangsverkehr und eine bemerkenswerte Ruhe, die man in dieser Zentrumsnähe nicht erwartet.

Die Holzhausenstraße gilt als eine der absoluten Top-Adressen für klassisches Wohnen in Frankfurt. Eigentumswohnungen erreichen Spitzenpreise von bis zu 12.500 Euro pro Quadratmeter, Gesamtobjekte werden für 1,5 bis vier Millionen Euro gehandelt.

Die Bewohner sind Anwälte, Ärzte, Architekten, Professoren und gut verdienende IT-Führungskräfte, die das Westend als zu banken-lastig empfinden und lieber im gepflegten Altbau-Kiez wohnen.

Der Holzhausenpark bildet das grüne Zentrum des Viertels, der Günthersburgpark und der Bethmannpark sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Diese Verdichtung an Grünflächen in unmittelbarer Innenstadtlage ist bundesweit einmalig.

Sachsenhausen-Nord: Old-Money-Flair mit Mainblick

Sachsenhausen macht vieles anders als das Westend. Hier wohnen nicht nur Banker, hier leben auch Medienunternehmer, Kreativschaffende, wohlhabende Kulturliebhaber und Alt-Frankfurter Familien mit generationenübergreifendem Besitz. Das Viertel ist lebendiger, urbaner, manchmal auch lauter, dafür mit dem schönsten Mainblick der Stadt.

Das Malerviertel am Städel mit eleganten Altbauten und ruhigen Seitenstraßen ist die erste Wahl für alle, die Kultur und Stille kombinieren wollen. Der Schweizer Platz gilt als urban-zentral mit dichter Gastronomiemeile.

Und das Deutschherrnufer hat sich zur teuersten Einzeladresse Frankfurts entwickelt: Penthousewohnungen mit Panoramafenstern zum Main erzielen bis zu 13.850 Euro pro Quadratmeter, ein Preis, der selbst im Westend selten erreicht wird.

Für internationale Pendler und Vielreisende ist Sachsenhausen auch logistisch attraktiv: die Anbindung an den Flughafen und den Südbahnhof ist exzellent, und wer täglich fliegt, schätzt diese halbe Stunde, die andere Viertel nicht bieten.

Wer sind die Reichen, die in Frankfurt wohnen?

Frankfurt hat eine sehr spezifische Wohlhabenden-Bevölkerung, anders als Berlin oder München. Hier dominiert die Finanzwirtschaft. Die wichtigsten Gruppen im Überblick:

  • Investmentbanker und Finanzmanager der internationalen Großbanken, Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Goldman Sachs, JPMorgan und über 200 weitere Institute haben hier Büros
  • EZB-Führungskräfte und internationale Ökonomen, die seit dem Umzug der Europäischen Zentralbank im Jahr 2014 einen wachsenden internationalen Managementpool bilden
  • Private-Equity- und Fondsmanager, Frankfurt hat sich als Standort für PE-Fonds etabliert und ihre Inhaber gehören zu den best verdienenden Bewohnern der Stadt
  • Anwälte und Wirtschaftsprüfer der großen internationalen Kanzleien
  • Unternehmenslenker aus der Rhein-Main-Industrie, Pharmakonzerne wie Sanofi, Logistikunternehmen, Messewirtschaft
  • Profifußballer von Eintracht Frankfurt, mehrheitlich im Westend und in Sachsenhausen wohnhaft

Frankfurt hat mit 124 Einkommensmillionären pro 100.000 Einwohnern die sechsthöchste Millionärsdichte aller deutschen Städte. Absolut, also in reinen Zahlen, steht es mit rund 80.300 Vermögensmillionären sogar an erster Stelle in Deutschland.

Viertel Durchschnittspreis ETW Spitzenpreis Typische Bewohner
Westend-Süd 9.389 Euro/m² bis 11.500 Euro/m² Banker, EZB, Kanzleien, Vorstände
Holzhausenviertel ca. 8.000 bis 9.000 Euro/m² bis 12.500 Euro/m² Ärzte, Anwälte, Architekten, IT-Führungskräfte
Deutschherrnufer 10.000 bis 13.000 Euro/m² bis 13.850 Euro/m² Kulturaffine, Medienunternehmer, PE-Manager
Sachsenhausen-Nord 7.500 bis 9.000 Euro/m² bis 13.850 Euro/m² Alt-Frankfurter Familien, Kreative, Finanzprofis
Westend-Nord 7.500 bis 8.500 Euro/m² bis 10.000 Euro/m² Expats, Universitätspersonal, Unternehmensberater

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AUTOR

Carlos Arad

Carlos ist Autor bei Omaze Deutschland und schreibt seit Jahren zu Themen rund um Finanzen, Lifestyle und Immobilien. Seine Leidenschaft für besondere Immobilien hat er bereits in seiner Kindheit als Sohn eines Bauleiters für sich entdeckt.