Es gibt Städte, die von oben einheitlich wirken und auf der Straße dann überraschen. Frankfurt ist so eine. Wer nur die Skyline kennt, verpasst das Eigentliche: ein Westend, dessen Gründerzeitvillen kein Neubau der Welt kopieren kann, ein Sachsenhausen, das seit dem 16. Jahrhundert seine eigene Sprache spricht, und ein Höchst, das karolingische Kirchenmauern aus dem frühen Mittelalter bewahrt hat.
Wer hier richtig hinschaut, versteht schnell, dass Frankfurt viele Gesichter hat und die schönsten davon abseits der Hochhäuser liegen.
Welche sind die schönsten Stadtteile in Frankfurt?
Die Antwort hängt davon ab, wonach man sucht. Wer großbürgerliche Architektur und ruhige Alleen sucht, landet im Westend. Wer Café-Kultur und Lebenslust will, findet sie im Nordend. Wer die Seele der Stadt spüren möchte, geht nach Sachsenhausen. Und wer historische Substanz mit einem erschwinglichen Einstieg kombinieren möchte, entdeckt Höchst. Kein Stadtteil gleicht dem anderen, und genau das macht Frankfurt so faszinierend.
Westend: Grandezza, die kein Neubau wiederholen kann
Wer einmal durch die Bockenheimer Landstraße oder die Myliusstraße gelaufen ist, versteht sofort, worum es geht. Stuckfassaden aus dem späten 19. Jahrhundert, Jugendstilvillen, Erker und Altane, dazwischen Baumreihen, deren Äste sich über der Straße wölben wie ein grünes Dach. Die Deckenhöhen in den Wohnungen liegen bei 3,20 bis 4,50 Metern, und diese Substanz lässt sich nicht wiederholen.
Das I.G. Farben-Haus von Hans Poelzig, 250 Meter lang und in seiner geschwungenen Form einmalig, ist heute das Hauptgebäude der Goethe-Universität und gilt als einer der schönsten Campusbauten Europas. Direkt daneben liegt der Grüneburgpark mit 29 Hektar, der größte innerstädtische Park Frankfurts, angelegt auf dem ehemaligen Rothschild-Anwesen. Das Westend beherbergt außerdem die dichteste Konzentration internationaler Banken, Botschaften und Konsulate im Stadtgebiet. Kaufpreise liegen bei 8.963 bis 9.389 Euro pro Quadratmeter im Westend-Süd, in der Spitze bis 14.914 Euro, Mieten bei 16 bis 22 Euro.
Nordend: Frankfurts lebendigstes Viertel mit der höchsten Einwohnerdichte
50.000 Menschen auf knapp vier Quadratkilometern, das ist die höchste Einwohnerdichte aller Frankfurter Stadtteile, und das merkt man. Die Berger Straße und Heerstraße bilden Frankfurts Café- und Gastronomiemeile Nummer eins außerhalb der Innenstadt: unabhängige Kaffeeröstereien, Bio-Restaurants, Weinbars, Second-Hand-Boutiquen, kein Kettencafé und kein Uniformitätsgefühl.
Nordend-West wirkt hipper und alternativer, Nordend-Ost bürgerlicher und ruhiger. Zusammen bilden sie das Viertel, das Frankfurter Architekten, Journalisten und Ärzte am häufigsten als ihre Wunschadresse nennen. Das klassische Gründerzeit-Ensemble aus dichten vier- bis fünfgeschossigen Mietshäusern und kleinen Läden in den Erdgeschosszonen liefert genau diesen Mix, den man in anderen Großstädten so schwer findet. Kaufpreise liegen bei 7.218 bis 8.689 Euro pro Quadratmeter, Mieten bei 14,50 bis 19,50 Euro.
Sachsenhausen: Apfelweinkultur, Museumsufer und das Mainufer als Wohnzimmer
„Dribb de Bach" nennen die Frankfurter ihren bevölkerungsreichsten Stadtteil, 60.000 Menschen südlich des Mains, und wer einmal dort war, versteht diese Anhänglichkeit. Das Museumsufer mit Städel, Liebieghaus, Architekturmuseum, Schirn und Filmmuseum steht in Europa allein in seiner Dichte, ein Kulturkilometer direkt am Fluss ohne Vergleich.
Das Mainufer legt im Sommer los als Frankfurts sozialste Fläche: Jogging und Radfahren, Grillwiesen, Biergärten, der Blick auf die Skyline, die sich im Wasser spiegelt. Und dann ist da die Apfelweinkultur, die seit dem 16. Jahrhundert in Sachsenhausen lebt. Der Apfelwein Wagner in der Schweizer Straße läuft seit dem Jahr 1902, das Zum Gemalten Haus zählt zu den ältesten Apfelweinwirtschaften der Stadt. In diesen Lokalen trinkt man aus dem blauen Bembel und das ist kein touristisches Ritual, sondern gelebter Alltag. Kaufpreise liegen bei 6.849 bis 7.534 Euro pro Quadratmeter.
Höchst: Mittelalterliche Altstadt mit dem günstigsten Preisschild
Höchst kennen die meisten Frankfurter, aber die wenigsten Auswärtigen. Dabei hat dieses Viertel das größte geschlossene Fachwerkensemble der Stadt, 7,5 Hektar Altstadtfläche, und das älteste Bauwerk im gesamten Frankfurter Stadtgebiet: die karolingische Justinuskirche aus dem 9. und 10. Jahrhundert. Das Höchster Schloss dominiert den historischen Schlossplatz, der Bolongaropalast aus dem 18. Jahrhundert liegt direkt am Mainufer, und der gotische Zollturm steht als mittelalterliches Stadttor noch vollständig. Höchst ist das einzige Frankfurter Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße.
Hier kommt der Clou: Mit rund 4.780 Euro pro Quadratmeter bietet Höchst echte historische Substanz zu einem Preis, den man im Westend nicht mal für schlechte Erdgeschosswohnungen zahlt. Wer Charakter sucht und gleichzeitig Geld sparen will, schaut hier zuerst.
Bornheim, Ostend und Riedberg: Drei sehr verschiedene Lebensentwürfe
Bornheim hat seinen Dorfcharakter trotz allem bewahrt, und das Sprichwort „Bornheim bleibt Bornheim" beschreibt ein Selbstverständnis, das sich gegen Uniformierung behauptet. Die Berger Straße zählt zu den letzten echten kleinteiligen Einzelhandelsstraßenzügen Frankfurts. Kaufpreise liegen bei rund 7.224 Euro pro Quadratmeter.
Das Ostend hat in 15 Jahren die spektakulärste Wandlung aller Frankfurter Stadtteile erlebt: vom Arbeiterviertel mit Schlachthof und Gaswerken zum Kreativ- und Wohnkiez mit EZB-Nachbarschaft, dem Hafenpark als größter innerstädtischer Freizeitfläche und dem Hafenpark-Quartier mit über 600 neuen Wohnungen, die schrittweise bis zum Jahr 2027 fertiggestellt werden. Kaufpreise bei rund 7.062 Euro pro Quadratmeter, Tendenz steigend.
Riedberg steht als Frankfurts Familienparadies seit den frühen 2000er-Jahren: auf der grünen Wiese entwickelt, heute über 15.000 Einwohner, großzügige Grundrisse, Gärten, direkte U-Bahn-Anbindung. Kaufpreise bei 6.789 Euro pro Quadratmeter.
| Stadtteil | Charakter | Kaufpreis ca. (Euro/m²) | Miete ca. (Euro/m²) |
|---|---|---|---|
| Westend-Süd | Grandezza, Villen, Banken | 8.963 bis 9.389 | 16 bis 22 |
| Nordend | Café-Kultur, lebendig, akademisch | 7.218 bis 8.689 | 14,50 bis 19,50 |
| Sachsenhausen-Nord | Apfelwein, Museumsufer, jung | 7.534 | 14 bis 18,50 |
| Bornheim | Dorfcharme, Berger Straße | 7.224 | 12,50 bis 16,50 |
| Ostend | Kreativ, EZB-Nähe, Hafenpark | 7.062 | 13,50 bis 18 |
| Bockenheim | Uni, multikulturell, lebendig | 6.635 | 12 bis 16 |
| Riedberg | Neubau, Familien, ruhig | 6.789 | 13 bis 16,50 |
| Höchst | Mittelalterliche Altstadt, Fachwerk | 4.780 | 9 bis 12,50 |
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