Hasso Plattner führt Berlins Superreiche mit 14,24 Milliarden Euro Vermögen an, gefolgt von Friede Springer mit 2,9 Milliarden und Mathias Döpfner mit 1,2 Milliarden Euro.
Insgesamt leben elf Berliner in der Liste der 500 reichsten Deutschen, wobei die Top 10 zusammen etwa 28 Milliarden Euro besitzen. Die Hauptstadt beherbergt geschätzt über 20.000 Dollar-Millionäre, liegt damit aber deutlich hinter Hamburg mit 50.000 und München mit 45.000 Vermögensmillionären.
Hinweis: Die folgenden Vermögensangaben basieren auf öffentlich verfügbaren Schätzungen von Forbes, Manager Magazin und anderen Quellen und können von den tatsächlichen Vermögenswerten abweichen, die nur die betroffenen Personen selbst genau kennen.
Platz 1: Hasso Plattner dominiert mit 14,24 Milliarden Euro aus SAP-Vermögen
Der SAP-Mitgründer Hasso Plattner thront mit 14,24 Milliarden Euro unangefochten an der Spitze der Berliner Vermögensliste. Der 81-Jährige, geboren 1944 in Berlin, hält etwa 10 Prozent der SAP-Anteile und profitierte vom Wertzuwachs von 17,2 Prozent seit 2023. Seine Luxusvilla in Potsdam-Babelsberg ist nur ein kleiner Teil seines Imperiums, das auch Hasso Plattner Ventures mit 150 Millionen Euro unter Verwaltung umfasst.
Plattner investierte über 200 Millionen Euro privates Vermögen in das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam, ursprünglich waren nur 50 Millionen über 20 Jahre geplant. Der Tech-Visionär, der SAP 1972 mit vier Partnern gründete und bis 2003 als Vorstandsvorsitzender führte, belegt bundesweit Platz 5 bis 8 der reichsten Deutschen.
Platz 2: Friede Springer kontrolliert 2,9 Milliarden Euro Medienvermögen
Die 82-jährige Friede Springer, geboren auf Föhr, ist mit 2,9 Milliarden Euro die reichste Frau Berlins. Sie kontrolliert 22,5 Prozent der Axel Springer SE über verschiedene Beteiligungsgesellschaften und hat damit die Mehrheitskontrolle am Medienkonzern mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz und 16.835 Mitarbeitern.
Ihre bemerkenswerte Geschichte begann 1963 als Kindermädchen im Haushalt von Axel Springer, den sie 1978 heiratete. Nach seinem Tod 1985 erbte sie 26,1 Prozent der Aktien. Im September 2020 übertrug sie 19,1 Prozent an Mathias Döpfner, davon 4,1 Prozent als Verkauf für 276 Millionen Euro und 15 Prozent als Schenkung im Wert von etwa einer Milliarde Euro. Ihre Villa am Heiligen See in Potsdam teilt sie mit illustren Nachbarn wie Günther Jauch.
Platz 3: Mathias Döpfner erreicht 1,2 Milliarden durch Springer-Schenkung
Der 62-jährige Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner katapultierte sich durch Friede Springers Großzügigkeit in die Milliardärsliga. Sein Vermögen wuchs von 250 Millionen Euro im Jahr 2020 auf heute 1,2 Milliarden Euro. Er kontrolliert nun 22 Prozent des Medienkonzerns, nachdem er 4,11 Prozent für 276 Millionen kaufte und 15,9 Prozent geschenkt bekam.
Die steueroptimierte Transaktion über die gemeinnützige Friede Springer Foundation ersparte ihm "wenig bis gar keine Steuern", allerdings mit der Bedingung, keine Entlassungen vorzunehmen. Döpfner, der seit 2002 als Vorstandsvorsitzender fungiert, sitzt zusätzlich in den Vorständen von Warner Music und Netflix und nimmt seit 2007 an der Bilderberg-Konferenz teil.
Platz 4: Axel Oberwelland verwaltet 1,1 Milliarden Süßwaren-Imperium
Der "Herr der Bonbons" Axel Oberwelland führt mit 1,1 Milliarden Euro Vermögen die August Storck KG in vierter Generation. Das Unternehmen mit Marken wie Werther's Original, Toffifee, Merci und Knoppers erwirtschaftet 2 Milliarden Dollar Jahresumsatz mit 8.300 Mitarbeitern an 22 Standorten weltweit.
Der 59-Jährige, als "bulliger Zweimetermann" beschrieben, ist extrem öffentlichkeitsscheu. Seit 2003 führt er das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Halle/Westfalen, lebt aber in einer Villa in Berlin-Dahlem. Sein Vermögen schwankte stark: 2015 lag es noch bei 2,4 Milliarden Dollar, fiel dann aber auf die heutigen 1,1 Milliarden Euro.
Plätze 5-7: Samwer-Brüder teilen sich eine Milliarde aus Rocket Internet
Alexander, Marc und Oliver Samwer besitzen zusammen etwa eine Milliarde Euro, wobei Oliver mit 52 Jahren als CEO von Rocket Internet die treibende Kraft ist. Die Brüder kontrollieren 37 bis 45 Prozent von Rocket Internet, das 2014 beim Börsengang über 8 Milliarden Dollar wert war, 2020 aber von der Börse genommen wurde.
Ihre Erfolgsgeschichte umfasst Investments in:
- Zalando (heute börsennotiert)
- HelloFresh (heute börsennotiert)
- Delivery Hero (heute börsennotiert)
- Home24 und Westwing
- Facebook (mit Gewinn verkauft)
- eDarling, Glossybox, Helpling, Wimdu
Die als "Clone Factory" kritisierten Brüder investierten über eine Milliarde Euro in Berliner Immobilien. 2023 kassierte Oliver allein 260 Millionen Euro Dividende von Rocket Internet. Ihr aggressiver Führungsstil brachte ihnen den Ruf als "rücksichtslos und kämpferisch" ein.
Platz 8: Klaus Grönke überlebte Immobilienkrise mit 2,75 Milliarden
Klaus Grönke, etwa 77 Jahre alt, kontrolliert mit der Trigon Unternehmensgruppe ein Vermögen von 2,75 Milliarden Euro. Der "Bau-Löwe" kaufte nach der Wende massiv Grundstücke in Ost-Berlin auf, sein größter Coup war der Kauf von 27 DDR-Interhotels für 2,2 Milliarden D-Mark von der Treuhand.
Die Trigon-Krise 1994-1996 brachte ihn fast zu Fall:
- Schulden von 5,3 bis 6 Milliarden D-Mark
- Nur 4 von 27 Hotels konnten weiterverkauft werden
- Rettung durch Banken, die einen Domino-Effekt fürchteten
- Heute besitzt er ganze Straßenzüge am Kurfürstendamm
Zu seinen Hochzeiten besaß Grönke ein Privatflugzeug, Anteile an Radio 100,6 und eine Ferrari-Sammlung, die er als "zeitgenössische Kunst" in der Nationalgalerie deklarierte.
Plätze 9-10: Familien Becker und Kries mit je 1,8 Milliarden aus Immobilien
Die Familien Becker und Kries verwalten über ihre gemeinsame Becker & Kries Holding jeweils 1,8 Milliarden Euro Vermögen. Ihr Portfolio umfasst 170 Objekte in deutschen Premiumlagen, darunter 12 Objekte am Kurfürstendamm und insgesamt 4.000 Wohneinheiten.
Die extrem diskret agierenden Familien haben ihren Firmensitz strategisch in Zossen bei Berlin platziert, um von der verminderten Gewerbesteuer zu profitieren. Ihre Strategie fokussiert auf langfristige Vermietung statt Spekulation, mit Schwerpunkt auf Berlin und Umgebung sowie internationalen Investments wie in Vancouver, Kanada.
Weitere Berliner Milliardäre und Multimillionäre
Berlin beherbergt weitere bemerkenswerte Vermögen:
- Ronald Slabke (Hypoport-Gründer): 1,15 Milliarden Euro
- Axel und Eric Schweitzer (Alba-Erben): 1,1 Milliarden Euro aus Recycling
- Ernst Freiberger (Tiefkühlkost): 1,5 Milliarden Euro
- Familie Dussmann: 1 Milliarde Euro aus Multidienstleistungen
Das Dussmann KulturKaufhaus in der Friedrichstraße bleibt ein Berliner Wahrzeichen, während die Gruppe mit 63.500 Mitarbeitern in 167 Ländern operiert.
Berlin liegt bei Millionärsdichte hinter anderen Metropolen
Mit geschätzten 20.000 Dollar-Millionären liegt Berlin deutlich hinter Hamburg (50.000), München (45.000) und Frankfurt (30.000). Dennoch zeigen die Zahlen Dynamik: 749 Berliner verdienten 2024 über 500.000 Euro jährlich, ein Plus von 54 Prozent seit 2016. Friedrichshain-Kreuzberg verzeichnete mit 363 Prozent Zuwachs bei Einkommensmillionären den stärksten Anstieg.
Die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf führen mit jeweils 16 Prozent einkommensreichen Bewohnern. In Charlottenburg-Wilmersdorf allein leben 103 Personen mit über 500.000 Euro Jahreseinkommen.
Diese Konzentration spiegelt sich auch in der Verteilung der Superreichen wider: Elf Berliner schaffen es in die Liste der 500 reichsten Deutschen, wobei die Top 10 zusammen etwa 28 Milliarden Euro kontrollieren.