Aktuelle Statistiken zu Deutschen und Immobilien [09/2026]

Der deutsche Immobilienmarkt steckt voll überraschender Zahlen, die je nach Quelle und Messweise erstaunlich unterschiedlich ausfallen. 47 Prozent Eigentumsquote oder 53 Prozent Mieterland? Beides stimmt – es kommt nur darauf an, ob man Haushalte oder Personen zählt. Dieser Beitrag fasst die aktuellen amtlichen Statistiken zu Immobilienbesitz, Mietquote, Gebäudebestand und Preisentwicklung zusammen, sauber nach Primärquellen belegt, mit Stand September 2026.

Wie viel Prozent der Deutschen besitzen eine Immobilie?

Laut der Destatis-Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023 verfügten 47,3 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland über Haus- und Grundbesitz. In absoluten Zahlen: 19.296.000 von 40.836.000 hochgerechneten Privathaushalten. Damit besitzt fast jeder zweite Haushalt in Deutschland eine Immobilie irgendeiner Art.

Wichtig ist dabei, was diese Zahl genau misst. Die EVS erfasst Haushalte, nicht einzelne Personen. „47,3 Prozent der Deutschen besitzen eine Immobilie“ wäre also methodisch ungenau, weil ein Haushalt aus mehreren Personen bestehen kann und nicht jedes Haushaltsmitglied automatisch als Eigentümer eingetragen ist. Die vollständige und korrekte Formulierung: Fast jeder zweite Privathaushalt in Deutschland verfügte 2023 über Haus- oder Grundbesitz. Der Begriff „Haus- und Grundbesitz“ schließt dabei ein:

  • Selbst genutztes Wohneigentum (Ein- und Zweifamilienhäuser, Eigentumswohnungen)
  • Gebäude mit mindestens drei Wohnungen
  • Unbebaute Grundstücke
  • Sonstige Gebäude und Immobilien jeder Art

Wer die exakten Rohdaten lesen möchte, findet sie im Statistischen Bericht der EVS, Tabelle 63221-45, den Destatis als XLSX zum Download anbietet.

Wie viele Menschen in Deutschland besitzen ein Einfamilienhaus?

Dieselbe EVS 2023 weist 13.059.000 private Haushalte mit Einfamilienhausbesitz aus. Das entspricht 32,0 Prozent aller 40.836.000 Privathaushalte – ein Anstieg gegenüber 2018, als dieser Wert noch bei 30,7 Prozent lag. Jeder dritte Haushalt in Deutschland besitzt also ein Einfamilienhaus.

Eine Zahl dazu, wie viele einzelne Personen als Eigentümer eingetragen sind, enthält die Veröffentlichung nicht. Das ist kein Datenleck, sondern eine methodische Grenze: Mehrere Personen können gemeinsam Eigentümer sein, ein Haushalt kann mehrere Objekte besitzen, und die EVS misst auf Haushaltsebene.

Davon zu unterscheiden ist der reine Gebäudebestand. Laut GENESIS-Tabelle 31231-0005 gab es Ende 2025 in Deutschland 13.488.464 Wohngebäude mit genau einer Wohnung. Das ist keine Eigentümerzahl und auch nicht identisch mit den 13.059.000 Haushalten aus der EVS – beide Statistiken messen verschiedene Dinge zu verschiedenen Zeitpunkten.

Auf einen Blick, was die Zahlen sagen – und was sie nicht sagen:

Zahl Was sie misst Quelle & Stand
13.059.000 Privathaushalte mit Einfamilienhausbesitz Destatis EVS 2023
32,0 % Anteil aller Privathaushalte Destatis EVS 2023
13.488.464 Wohngebäude mit genau einer Wohnung (Bestand) GENESIS 31231-0005, 31.12.2025

Wie viel Prozent der Deutschen wohnen zur Miete?

Deutschland ist das Mieterland Nummer eins in der Europäischen Union. Laut Destatis und Eurostat lebten 52,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2025 zur Miete. Kein anderes EU-Land hat eine höhere Mieterquote. Der Datensatz stammt aus der Eurostat-Reihe ILC_LVHO02, die EU-weit nach derselben Methodik erhoben wird.

Wer auf Haushaltsebene schaut, bekommt einen anderen Wert: Im Mikrozensus 2022 lebten 58,1 Prozent der Haushalte zur Miete und nur 41,9 Prozent im selbst genutzten Eigentum – das belegt die Destatis-Eigentumsquoten-Tabelle. Warum der Unterschied? Eigentümerhaushalte sind im Schnitt größer als Mieterhögerhaushalte. Wenn mehr Personen pro Eigentümerhaushalt wohnen, steigt der personenbezogene Eigentumsanteil gegenüber dem haushaltsbezogenen Wert.

  • 52,8 % – Bevölkerungsanteil in Mietwohnraum, 2025 (Eurostat/Destatis, personenbezogen)
  • 47,2 % – Bevölkerungsanteil in selbst genutztem Wohneigentum, 2025 (Komplementärwert)
  • 58,1 % – Haushaltsanteil in Mietwohnraum, 2022 (Mikrozensus, haushaltsbezogen)
  • 41,9 % – Haushaltsanteil in selbst genutztem Eigentum, 2022 (Mikrozensus)

Wie viele Mehrfamilienhäuser gibt es in Deutschland?

Zum 31. Dezember 2025 zählte Deutschland laut Destatis-Pressemitteilung vom Juli 2026 exakt 3.517.433 Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen. In diesen Mehrfamilienhäusern befanden sich 23.633.471 Wohnungen, also mehr als die Hälfte aller 44,0 Millionen Wohnungen in Deutschland.

Zum Vergleich: Im selben Bestand gab es 13.488.464 Wohngebäude mit genau einer Wohnung und 2.455.459 mit genau zwei Wohnungen. Dazu kamen noch 15.484 Wohnheime mit 422.293 Wohnungen, die in der Bestandsstatistik separat geführt werden. Der vollständige Datensatz liegt über die interaktive GENESIS-Tabelle 31231-0005 abrufbar.

Gebäudetyp Anzahl Gebäude (31.12.2025) Enthaltene Wohnungen
Wohngebäude mit 1 Wohnung 13.488.464 13.488.464
Wohngebäude mit 2 Wohnungen 2.455.459 4.910.918
Wohngebäude mit 3+ Wohnungen (Mehrfamilienhäuser) 3.517.433 23.633.471
Wohnheime 15.484 422.293
Gesamt ca. 19.476.840 44.000.000+

Wie haben sich die Immobilienpreise in Deutschland entwickelt?

Der amtliche Häuserpreisindex von Destatis zeigt eine Entwicklung in drei klaren Phasen: starker Anstieg 2020 bis 2022, deutliche Korrektur 2023 bis 2024, erneute Erholung seit 2025. Die genauen Jahreswerte (Basis: 2025 = 100, nach Umbasierung Juni 2026):

Zeitraum Häuserpreisindex (2025 = 100) Veränderung zum Vorjahr
2020 90,8 +7,7 %
2021 101,4 +11,7 %
2022 107,5 +6,0 %
2023 98,4 −8,5 %
2024 96,9 −1,5 %
2025 100,0 +3,2 %
Q1 2026 (voräufig) 100,5 +1,4 % ggü. Q1 2025

Die starken Anstiege 2020 bis 2022 waren eine Kombination aus Niedrigzinsen, Pandemie-bedingter Nachfrage nach mehr Wohnfläche und knappem Angebot. Die Zinswende ab 2022 traf den Markt hart: 2023 fielen die Preise um 8,5 Prozent, der größte jährliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnung. 2024 folgte ein weiteres leichtes Minus von 1,5 Prozent. Seit 2025 dreht der Index wieder ins Plus.

Regional verlief die Erholung im ersten Quartal 2026 uneinheitlich. Bei Eigentumswohnungen reichte die Veränderung von −0,4 Prozent in dicht besiedelten ländlichen Kreisen bis +3,6 Prozent in dünn besiedelten ländlichen Kreisen. Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich in den Top-7-Metropolen um 1,4 Prozent, während sie in dünn besiedelten ländlichen Kreisen um 0,8 Prozent günstiger wurden. Alle aktuellen Quartalsdaten finden sich in der GENESIS-Quartalsräeihe 61262-0002.

Steigen die Immobilienpreise in Deutschland 2027 wieder?

Eine endgültige Antwort auf diese Frage kann es vor Ablauf des Jahres nicht geben – jede heute genannte Zahl ist eine Modellprognose, keine amtlich gemessene Ist-Statistik. Die aktuellste Primärstudie kommt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) vom März 2026. Das Ergebnis des mittleren Szenarios: +3,1 Prozent nominal pro Jahr bis 2035, was einem realen Wachstum von 1,1 Prozent bei einer angenommenen Inflationsrate von 2 Prozent entspricht.

Für 2027 prognostiziert das IW-Modell, dass das nominale Preisniveau des Zwischenhochs von 2022 bereits 2027 wieder erreicht werden könnte. Das klingt zunächst optimistisch – muss aber richtig eingeordnet werden. Das IW prüft alle 400 Kreise und kreisfreien Städte einzeln und erwartet:

  • Steigende Preise vor allem in wirtschaftsstarken Metropol- und Umlandregionen
  • Stagnierende oder sinkende Preise in strukturschwachen oder demografisch schrumpfenden Regionen
  • Erhebliche regionale Unterschiede bei allen Szenarien
  • Kein punktgenaues Jahresergebnis als Ziel: Die Studie ist auf langfristige regionale Trendeinordnung ausgerichtet

Das IW-Modell kombiniert kurzfristige Machine-Learning-Schätzungen mit einem langfristigen strukturellen Trend und berücksichtigt Immobilienpreise, Demografie, Einkommen, Arbeitsmarkt, Branchenstruktur und Wohnungsbestand. Die vollständige Studie steht als PDF beim IW Köln zum Download bereit.

Die methodisch korrekte Antwort lautet damit: Im bundesweiten Mittel spricht die aktuelle IW-Prognose für steigende nominale Wohnimmobilienpreise im Jahr 2027. Wer in einer strukturschwachen Region kauft oder verkauft, sollte sich auf diese Bundesziffer aber nicht allein verlassen.

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AUTOR

Carlos Arad

Carlos ist Autor bei Omaze Deutschland und schreibt seit Jahren zu Themen rund um Finanzen, Lifestyle und Immobilien. Seine Leidenschaft für besondere Immobilien hat er bereits in seiner Kindheit als Sohn eines Bauleiters für sich entdeckt.